Ing. Josef „Sepp“ Felder: Ein Leben für Tirol

Ing. Josef „Sepp“ Felder war eine Persönlichkeit, deren Leben und Wirken eng mit Tirol, seiner Geschichte und seinem kulturellen Erbe verbunden waren. Sein Name steht für Einsatzbereitschaft, Verlässlichkeit und die Überzeugung, dass Heimat nicht nur ein Begriff ist, sondern eine Aufgabe, die Verantwortung und Engagement verlangt. Geboren und aufgewachsen in Absam, trug Sepp Felder seine Verbundenheit zu Tirol stets in sich. Für ihn war Heimat weit mehr als eine geografische Bezeichnung. Sie bedeutete gewachsene Gemeinschaft, gemeinsame Geschichte und die Verpflichtung, überlieferte Werte zu bewahren und für kommende Generationen lebendig zu halten.

Diese Haltung prägte sein gesamtes Leben. Sepp Felder war ein Mensch, der nicht den einfachen Weg suchte, sondern konsequent für seine Überzeugungen einstand. Sein Wort hatte Gewicht, sein Handschlag galt. Er handelte nicht aus persönlichem Interesse, sondern aus dem Gefühl heraus, Verantwortung für seine Heimat übernehmen zu müssen. Dabei war seine Heimatverbundenheit stets von Offenheit und Respekt getragen. Jede Form von Extremismus war ihm fremd. Gerade diese Haltung führte zeitweise auch zu Spannungen mit einzelnen Freiheitskämpfern der 1960er-Jahre, doch Sepp Felder blieb seinen Grundsätzen treu und setzte auf Sachlichkeit, Maß und gegenseitigen Respekt.

Sein Lebensweg war von den prägenden Erfahrungen seiner Generation bestimmt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, kurz vor dem Zusammenbruch der Wehrmacht Anfang Mai 1945, wurde er noch einberufen. Gemeinsam mit seinen jungen Kameraden kam er zum Bahnhof Hall in Tirol, dem damaligen Solbad Hall. Dort bewies ein mutiger Beamter der Reichsbahn Menschlichkeit und Verantwortung. Mit den Worten „Geht nach Hause, es hat keinen Sinn mehr, geht, der Krieg ist verloren, die Amerikaner stehen bereits im Außenfern“ entließ er die jungen Männer. Für Sepp Felder blieb dieses Erlebnis Teil seiner persönlichen Lebensgeschichte und seiner Erinnerung an eine Zeit, die von Unsicherheit, aber auch von menschlichem Mut geprägt war.

Als ausgebildeter Ingenieur hatte Sepp Felder bereits in seiner Jugend, bedingt durch seinen Beruf, viel von der Welt gesehen. Zeitweise arbeitete der gewissenhafte Absamer in Deutschland, unter anderem auch in militärischen Einrichtungen. Mit Stolz erzählte er später davon, wie es ihm und seinen Kollegen gelungen war, ein Geschützrohr so zu konstruieren, dass es eine hohe Hitze- und Kältebeständigkeit aufwies und dadurch unabhängig von klimatischen Bedingungen mit großer Zielgenauigkeit eingesetzt werden konnte. Später war er im zivilen Bereich selbstständig im Bereich der Elektromotoren tätig. Seine berufliche Laufbahn war dabei stets von jener Sorgfalt, Genauigkeit und technischen Gründlichkeit geprägt, die auch seinen persönlichen Charakter auszeichneten.

Ende der 1980er-Jahre erlitt Sepp Felder einen schweren Arbeitsunfall. Die Folgen dieses Unfalls begleiteten ihn bis zu seinem Tod und bereiteten ihm über viele Jahre Schmerzen. Dennoch ließ er sich davon nicht davon abbringen, sich für jene Anliegen einzusetzen, die ihm wichtig waren. Bis zu seinem Lebensende pflegte er zudem eine besonders enge Beziehung zu seinen Brüdern, die in Absam den Grundstein für die Felder Group legten, die später zu einem weltweit bekannten Unternehmen werden sollte.

Sepp Felder zeichnete sich durch einen besonders guten Charakter aus. Er war freundlich, bescheiden und fast schon unscheinbar und suchte niemals die große Bühne. Zugleich verband sich diese persönliche Zurückhaltung mit einer für einen Ingenieur typischen Sorgfalt, Genauigkeit und Beharrlichkeit. Er stellte nie sich selbst, sondern stets die Sache in den Mittelpunkt. Gerade diese Verbindung aus Bescheidenheit, Verlässlichkeit und innerer Konsequenz machte ihn zu einem Menschen, auf dessen Wort und Handschlag man sich verlassen konnte.

Eine besondere Bedeutung hatte sein Einsatz für den Andreas-Hofer-Bund für Tirol. Bei dessen Wiedergründung im Jahr 1994 gehörte er als Obmann zu den treibenden Kräften, die dieser traditionsreichen Organisation wieder eine starke Stimme gaben. Mit großem Einsatz, unzähligen ehrenamtlichen Stunden und bemerkenswerter Ausdauer baute er gemeinsam mit seinen Mitstreitern die Basis für eine erfolgreiche Zukunft des Bundes.

Während seiner langjährigen Tätigkeit als Obmann zeigte sich seine besondere Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen. Er war kein Mann der lauten Worte, sondern überzeugte durch Ruhe, Sachlichkeit und Beharrlichkeit. Er hörte zu, suchte den Dialog und begegnete auch anderen Meinungen mit Respekt. Gerade diese Eigenschaften verschafften ihm Anerkennung weit über den Kreis seiner Weggefährten hinaus. Sein Ziel war nie die Konfrontation, sondern das Verbindende. Er wollte Brücken zwischen Menschen und Generationen bauen und das Bewusstsein für gemeinsame Wurzeln stärken.

Ein wichtiges Anliegen war für Felder die Pflege und Bewahrung der Tiroler Geschichte. Er war überzeugt, dass eine Gemeinschaft nur dann Zukunft haben kann, wenn sie ihre Herkunft kennt und ihr Erbe achtet. Historische Orte, Denkmäler und Erinnerungsstätten waren für ihn keine Relikte der Vergangenheit, sondern lebendige Zeichen der Verbindung zwischen gestern, heute und morgen.

Besonders verbunden war er mit dem jahrzehntelangen Einsatz für die Wiedererrichtung des Franz-Innerhofer-Denkmals in Innsbruck. Mit großer Ausdauer verfolgte er dieses Ziel und durfte die Umsetzung dieses Vorhabens noch persönlich erleben – ein Moment, der für ihn die Erfüllung eines lang gehegten Anliegens bedeutete. Es war ein Beispiel für jene Beharrlichkeit, die sein gesamtes Leben prägte: Was er als richtig und wichtig erkannt hatte, verfolgte er mit Geduld, Ausdauer und persönlichem Einsatz.

Trotz seiner zahlreichen Verdienste blieb Sepp Felder stets bescheiden. Er stellte nie sich selbst, sondern immer die Sache in den Mittelpunkt. Sein Wirken war geprägt von Pflichtbewusstsein, Idealismus, technischem Sachverstand und einer tiefen Liebe zu Tirol. Dabei war seine Heimatverbundenheit niemals von Ausgrenzung geprägt. Im Gegenteil: Sein Anliegen war es, Menschen zu verbinden, Brücken zwischen Generationen und Landesteilen zu bauen und das Bewusstsein für gemeinsame Wurzeln zu stärken.

Sepp Felder hat gezeigt, dass einzelne Menschen viel bewegen können, wenn sie mit Überzeugung, Ausdauer und Verantwortungsgefühl handeln. Sein Leben vereinte berufliche Tatkraft, persönliche Bescheidenheit und ein außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement. Er war ein Mensch, der seine Heimat nicht nur liebte, sondern sich ihr verpflichtet fühlte und bereit war, dafür Verantwortung zu übernehmen.

Sein Engagement, seine Haltung und sein Einsatz für Tirol bleiben Vorbild und Auftrag zugleich. Sein Vermächtnis lebt in all jenen weiter, die ihn kannten, mit ihm arbeiteten und seine Anliegen weitertragen. Heimat war für ihn nicht nur Herkunft, sondern Verpflichtung.

Mag. phil. Andreas Raffeiner, Bozen

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