Das im Jahre 2021 im Michael Wagner Verlag in Innsbruck wieder erschienene Buch «Wallnöfer. Bauer und Landesfürst» herausgegeben von Klaus Horst, Martin Marberger und Markus Hatzer ist weit mehr als eine politische Biografie. Es ist ein persönliches Erinnerungsbuch, ein Mosaik aus Begegnungen, Geschichten und Anekdoten, das den langjährigen Tiroler Landeshauptmann Eduard Wallnöfer von sehr unterschiedlichen Seiten zeigt.
Besonders berührend ist, dass hier nicht ausschließlich Politiker und Weggefährten zu Wort kommen. Neben politischen Rückblicken stehen persönliche Erinnerungen, die den Menschen hinter dem Amt sichtbar machen. Der frühere österreichische Bundespräsident Rudolf Kirchschläger erinnert sich an Wallnöfer, Wilhelm Steidl bringt mit dem Satz „Ich vermisse ihn sehr!“ eine ganz unmittelbare menschliche Verbundenheit zum Ausdruck. Besonders nahe geht auch der Beitrag seines Sohnes Benedikt Wallnöfer: „Er war ein guter Vater!“ Solche persönlichen Stimmen verleihen dem Buch eine Wärme, die man in einer rein politischen Biografie kaum finden würde.
Gleichzeitig entsteht ein eindrucksvolles Bild des Politikers Wallnöfer. Beiträge wie „Eduard Wallnöfer – ein außergewöhnlicher Mensch, ein Politiker mit Charisma“ oder „Ein Leben für Tirol“ machen deutlich, welche Bedeutung er für das Land hatte. Auch die Erinnerungen des ehemaligen Südtiroler Landeshauptmanns Silvius Magnago an ein „gutes Stück gemeinsamen Weges“ zeigen, wie stark der gebürtige Vinschger mit der politischen Entwicklung Tirols verbunden war.
Besonders reizvoll ist die Vielfalt der Beiträge. Neben politischen und historischen Betrachtungen finden sich humorvolle, manchmal auch liebevoll-ironische Erinnerungen. Titel wie „Danke für das Mittel gegen den Katarrh!“, „Von Treppenstürzen und Gelehrtengesprächen“, „Frau Dokta oder die arme Haut“ oder „Na, des isch a Spinner!“ lassen bereits erahnen, dass Wallnöfer keinesfalls bloß als Landespolitiker, sondern als Persönlichkeit mit Ecken, Kanten, Humor und Eigenheiten in Erinnerung geblieben ist.
Gerade diese Mischung macht die Lektüre menschlich. Wallnöfer erscheint nicht als unnahbare politische Figur auf einem Sockel, sondern als Mensch, der andere beeindruckte, manchmal herausforderte, zum Lachen brachte und offenbar bei vielen Menschen bleibende Spuren hinterließ. Die Anekdoten vertiefen diesen Eindruck noch einmal und geben dem Buch eine besondere Lebendigkeit.
Auch die abschließenden Teile – die Kurzbiografie, die Übersicht über die politischen Schwerpunkte und das Schlusswort – sind hilfreich, weil sie die vielen persönlichen Erinnerungen historisch und politisch einordnen. So verbindet das Buch persönliche Nähe mit einem Überblick über Wallnöfers Wirken für Tirol.
Was mir an diesem Band besonders gefällt, ist seine respektvolle Vielstimmigkeit. Die Herausgeber versuchen nicht, eine einzige, endgültige Wahrheit über Eduard Wallnöfer zu präsentieren. Stattdessen lassen sie Menschen erzählen, die ihm auf ganz unterschiedliche Weise begegnet sind. Dadurch entsteht ein facettenreiches Porträt: der Bauer, der Politiker, der Landesfürst, aber vor allem auch der Mensch.
Das Werk «Wallnöfer. Bauer und Landesfürst» ist aus diesem Grund für Leser interessant, die sich für die Geschichte Tirols interessieren, aber ebenso für jene, die erfahren möchten, wie ein bedeutender Politiker von den Menschen erlebt wurde, die ihm persönlich begegnet sind. Das Buch erinnert daran, dass eine politische Wirkung nicht allein in Ämtern, Entscheidungen und geschichtlichen Daten besteht. Sie zeigt sich auch darin, was ein Mensch bei anderen hinterlässt.
Am Ende bleibt der Eindruck einer Persönlichkeit, die Tirol als Landesvater beinahe ein Vierteljahrhundert auf nachhaltige Weise geprägt hat und deren Erinnerung bei vielen Menschen noch immer mit Dankbarkeit, Respekt, aber auch mit Humor und persönlicher Nähe verbunden ist. Gerade diese menschlichen Stimmen machen den hier zu besprechenden Band lesenswert und geben ihm eine besondere emotionale Kraft. Zur allgemeinen Information und zur Abrundung sei erwähnt, dass das erste Buch mit dem gleichnamigen Titel 1993, vier Jahre nach dem Tod von Eduard Wallnöfer, herausgegeben wurde.
Mag. phil. Andreas Raffeiner, Bozen

