In memoriam Pepi Fontana

Mit dem Tod von Dr. Josef „Pepi“ Fontana verliert Südtirol eine prägende Persönlichkeit seiner Zeit. Er ist im Alter von 89 Jahren nach langer Krankheit friedlich entschlafen und hinterlässt eine Lücke, die weit über seine Familie und seine Weggefährten hinausreicht.

Geboren 1937 in Neumarkt, erlebte Josef Fontana schon in jungen Jahren die Spannungen und Umbrüche im Nachkriegssüdtirol. „Früh schloss er sich dem Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) an und gehörte zum engsten Kreis um Sepp Kerschbaumer. Seine Überzeugungen sollten sein weiteres Leben prägen – und ihn einen hohen persönlichen Preis kosten“, erinnert sich AHBT-Obmann Luis Wechselberger.

Nach der Feuernacht von 1961 wurde Fontana verhaftet und in den Mailänder Südtirolprozessen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Jahre im Gefängnis waren von Entbehrungen und Krankheit geprägt; eine Tuberkuloseerkrankung zeichnete ihn körperlich. Doch sie vermochte nicht, seinen Willen zu brechen.

Der gelernte Maler und Anstreicher holte im Gefängnis die Matura nach, legte diese 1970 in Salzburg ab und studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie an der Universität Innsbruck. Dort promovierte 1977 zum Doktor der Philosophie. Weil ihm der Lehrerberuf verwehrt blieb, widmete er sich der Kultur- und Geschichtsarbeit und prägte über Jahrzehnte das Südtiroler Kulturinstitut, von 1986 bis zu seiner Pensionierung 1999 als Direktor. „Seine zahlreichen Veröffentlichungen zur Landesgeschichte von 1800 bis 2000 machten ihn zu einem angesehenen und überall geschätzten Historiker Tirols“, weiß Wechselberger.

Josef Fontana war aber mehr als Freiheitskämpfer und Wissenschaftler. Er war ein Mensch, der seinen Überzeugungen treu blieb und dabei nie die Liebe zu seiner Heimat verlor. Wer ihm begegnete, erlebte einen bescheidenen, tief verwurzelten und glaubensfesten Menschen, der die Geschichte Tirols nicht nur erforschte, sondern selbst Teil von ihr geworden war“, so AHBT-Obmann Luis Wechselberger.

Sein nahezu neun Jahrzehnte andauerndes Leben erinnert uns immer wieder daran, dass die Geschichte immer auch aus den Schicksalen einzelner Menschen besteht, aus ihren Entscheidungen, ihrem Mut und ihrer Bereitschaft, persönliche Opfer zu tragen. Über politische Bewertungen hinaus bleibt Josef Fontana eine Persönlichkeit, die das Südtirol des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt hat.

„Mit seinem Heimgang verliert Tirol einen seiner letzten Zeitzeugen einer bewegten Epoche. Sein Wirken als Freiheitskämpfer, Historiker und Kulturmensch bleibt. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und allen, die ihm verbunden waren“, schließt Wechselberger. Ruhe in Frieden, Pepi Fontana.

Mag. Andreas Raffeiner

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