DDr. Herwig van Staa – Ein Leben im Dienst der Gesellschaft

DDr. Herwig van Staa wurde am 10. Juni 1942 in Linz geboren und gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Tiroler Politik der vergangenen Jahrzehnte. Sein Lebensweg verbindet wissenschaftliche Neugier, gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und ein außergewöhnlich langes Engagement im öffentlichen Dienst. Über viele Jahre prägte er die Entwicklung Innsbrucks, Tirols und darüber hinaus auch die europäische Zusammenarbeit der Regionen und Gemeinden.

Seine Ausbildung war von großer Vielseitigkeit geprägt. An der Universität Innsbruck studierte Herwig van Staa Rechtswissenschaften sowie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Darüber hinaus beschäftigte er sich intensiv mit Volkskunde und Soziologie. Diese breite wissenschaftliche Basis sollte sein späteres politisches Wirken auf nachhaltige Weise beeinflussen. Bereits früh interessierten ihn Fragen der Regionalentwicklung, der Raumordnung, der gesellschaftlichen Veränderungen und der Zukunft gemeindlicher Strukturen. Seine Tätigkeit in der Forschung und der Lehre vermittelte ihm ein kritisch-analytisches Denken und ein tiefes Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Einstieg in die Gemeindepolitik erfolgte mit dem festen Wunsch, das unmittelbare Lebensumfeld der Menschen aktiv mitzugestalten. In Innsbruck engagierte sich DDr. Herwig van Staa zunächst im Gemeinderat und entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer prägenden Persönlichkeit der Stadtpolitik. Mit der Gründung der Bürgerliste „Für Innsbruck“ setzte er ein starkes Zeichen für eine sachorientierte und bürgernahe Gemeindepolitik. Sein Ziel war es, über Parteigrenzen hinweg Lösungen zu finden und die Stadt langfristig weiterzuentwickeln. Im Jahr 1994 wurde DDr. Herwig van Staa, seines Zeichens Schwiegersohn des legendären Tiroler Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer, zum Bürgermeister der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck gewählt. Während seiner achtjährigen Amtszeit setzte er zahlreiche wichtige Impulse für die Modernisierung der Stadt. Große Bedeutung maß er einer nachhaltigen Stadtentwicklung, dem Infrastrukturausbau sowie einer soliden Finanzpolitik bei. Innsbruck entwickelte sich in dieser Zeit zu einer modernen, wirtschaftlich starken und international wahrgenommenen Stadt im Herzen der Alpen. Gleichzeitig wurde besonderer Wert auf die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger gelegt. Van Staa verstand die Stadtplanung, den Verkehr, die Bildung, die Kultur und den Sport als zentrale Aufgaben seiner zukunftsorientierten Gemeindepolitik.

Sein erfolgreicher Weg in Innsbruck führte ihn 2002 an die Spitze des Landes Tirol. Als Nachfolger von Wendelin Weingartner übernahm Herwig van Staa Verantwortung für eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Bundesländer Österreichs. Seine Regierungszeit war geprägt vom Bemühen, althergebrachte Tradition und zukunftsorientierte Innovation miteinander zu einem Ganzen zu verschmelzen. Tirol sollte seine kulturelle Identität stets bewahren und parallel dazu offen für wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen bleiben.

Besondere Aufmerksamkeit widmete er der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die Förderung heimischer Unternehmen, der Ausbau des Fremdenverkehrs, Investitionen in Infrastruktur und Verkehr sowie die Stärkung des ländlichen Raums gehörten zu den zentralen Schwerpunkten seiner Politik. Gleichzeitig setzte er sich für eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Verwaltung ein, um Tirol als attraktiven Lebens- und Wirtschaftsstandort weiterzuentwickeln. Ein weiteres wichtiges Anliegen war ihm die Bildung. Er war überzeugt, dass die Zukunft einer Region maßgeblich von den Chancen ihrer jungen Menschen abhängt. Daher unterstützte er Initiativen zur Weiterentwicklung des Bildungs- und Forschungsstandortes Tirol sowie den Ausbau der Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.

Neben seinen Aufgaben als Landeshauptmann engagierte sich DDr. van Staa zunehmend auf europäischer Ebene. Er vertrat Tirol in verschiedenen europäischen Institutionen und setzte sich mit Nachdruck für die Interessen der Regionen und Gemeinden ein. Besonders am Herzen lag ihm das Prinzip der Subsidiarität – also die Überzeugung, dass politische Entscheidungen möglichst bürgernah getroffen werden sollten. Für ihn bildeten starke Gemeinden und Regionen das Fundament eines erfolgreichen Europas. Nach seiner Amtszeit als Landeshauptmann wurde van Staa 2008 zum Präsidenten des Tiroler Landtags gewählt. Dieses Amt übte er bis 2018 aus. Als Landtagspräsident verstand er sich als Hüter der parlamentarischen Kultur, des demokratischen Dialogs und eines respektvollen politischen Miteinanders. Die Stärkung des Parlamentarismus und der demokratischen Institutionen war ihm dabei ein besonderes Anliegen.

Auch international blieb DDr. Herwig van Staa eine geschätzte Persönlichkeit. Im Ausschuss der Regionen der Europäischen Union sowie im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates setzte er sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, den Erfahrungsaustausch zwischen Regionen und die Weiterentwicklung der kommunalen Demokratie ein. Seine langjährige Erfahrung machte ihn zu einem gefragten Gesprächspartner in europäischen Fragen. Im Laufe seines Wirkens erhielt van Staa zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen im In- und Ausland. Sie würdigen sein jahrzehntelanges Engagement für das Gemeinwohl, seine Verdienste um Tirol sowie seinen Einsatz für die europäische Zusammenarbeit. Sein Name ist eng mit einer Politik verbunden, die auf Verantwortung, langfristigem Denken und dem Dialog zwischen den Menschen aufbaut. Auch nach dem Ende seiner aktiven politischen Laufbahn blieb van Staa dem öffentlichen Leben verbunden. Er bringt seine Erfahrungen in wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und europäischen Zusammenhängen ein und verfolgt weiterhin aufmerksam die Entwicklungen in Politik und Gesellschaft.

Das Lebenswerk von DDr. Herwig van Staa steht für konsequenten Einsatz im Dienste der Allgemeinheit. Über viele Jahrzehnte prägte er die Entwicklung Innsbrucks und Tirols, setzte wichtige Akzente für die kommunale Selbstverwaltung und engagierte sich mit Überzeugung für ein Europa der Regionen. Sein Wirken zeigt, wie wissenschaftliche Kompetenz, politisches Verantwortungsbewusstsein und persönliches Engagement zusammenwirken können, um nachhaltige Entwicklungen zum Wohl der Gesellschaft zu gestalten.

Mag. phil. Andreas Raffeiner, Bozen

Bildnachweis: Foto: Herwig Prammer, „Herwig van Staa 2014 (15265885082)“, Wikimedia Commons – Lizenz: CC BY 2.0

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