Helmut Golowitsch, Für die Heimat kein Opfer zu schwer. Folter – Tod – Erniedrigung, Südtirol 1961 – 1969 Nürnberg 2009.

Mit seinem über 700 Seiten umfassenden Opus magnus «Für die Heimat kein Opfer zu schwer»legt Helmut Golowitsch eine sehr umfangreiche und interessante Dokumentation über eines der umstrittensten Kapitel der jüngeren Südtiroler Geschichte vor. Im Mittelpunkt stehen die Ereignisse nach der Feuernacht von 1961 sowie die Verhaftungen, Misshandlungen und Foltervorwürfe gegen Südtiroler Aktivisten durch italienische Sicherheitskräfte. Der Autor verfolgt dabei das Ziel, die Schicksale der Betroffenen anhand zahlreicher Dokumente, Zeugenaussagen und zeitgenössischer Quellen nachzuzeichnen.

Besonders beeindruckend ist die enorme Materialfülle. Golowitsch stützt seine Darstellung auf Gerichtsakten, Zeitungsberichte, Briefe, Erinnerungen und umfangreiche Literatur. Das detaillierte Quellenverzeichnis sowie das Personenregister machen das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk für alle, die sich intensiv mit der Südtiroler Geschichte der 1960er-Jahre beschäftigen möchten. Zahlreiche Abbildungen und Karten erleichtern die Einordnung der historischen Ereignisse.

Inhaltlich zeichnet das Werk ein eindringliches Bild der politischen Spannungen zwischen Italien, Österreich und der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols. Einen Schwerpunkt bilden die Schilderungen von Folter, Haftbedingungen und den juristischen Auseinandersetzungen, die nach den Anschlägen folgten. Gleichzeitig beleuchtet Golowitsch die politischen Reaktionen auf beiden Seiten der Grenze sowie den Umgang mit den erhobenen Foltervorwürfen.

Der Schreibstil ist engagiert und deutlich von der Überzeugung des Autors geprägt. Das Buch versteht sich weniger als nüchterne Gesamtdarstellung der Südtirolfrage als vielmehr als dokumentarische Aufarbeitung eines aus Sicht des Autors lange verdrängten Unrechts. Gerade deshalb sollten Leser die Darstellung im Kontext weiterer historischer Forschung betrachten und sie mit anderen wissenschaftlichen Arbeiten zur Südtirolkrise vergleichen. Die klare Perspektive des Autors schmälert jedoch nicht den Wert der zusammengetragenen Quellen und Dokumente.

Insgesamt ist «Für die Heimat kein Opfer zu schwer» ein eindrucksvolles und zugleich anspruchsvolles Werk, das einen wichtigen Beitrag zur Erinnerung an die Ereignisse der Jahre 1961 bis 1969 leistet. Wer sich vertieft mit der Geschichte Südtirols, den Folgen der Feuernacht und der politischen sowie menschlichen Dimension des Konflikts beschäftigen möchte, findet im Buch von Golowitsch eine außerordentlich umfangreiche und anregende Dokumentation.

Mag. phil. Andreas Raffeiner, Bozen

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