Mit «Die reitenden Tiroler Landesschützen/Kaiserschützen. Die Geschichte der Gletscherhusaren» legt der Autor Dominik Ender eine fundierte und längst überfällige Studie zu einer bislang kaum erforschten Waffengattung der k.u.k. Armee vor. Die reitenden Tiroler Landesschützen – häufig als „Gletscherhusaren“ bezeichnet – standen bisher nur am Rande der militärischen Forschung.
Bereits in der Einführung positioniert sich Ender im Kontext der «neuen Militärgeschichte» und verbindet operationshistorische Ansätze mit klaren struktur- und sozialgeschichtlichen Fragestellungen. Die Methodik, der Aufbau und die kritische Auseinandersetzung mit der benutzten Quellenanlage zeugen von einer hohen wissenschaftlichen Sorgfalt.
Der Hauptteil des hier zu besprechenden Werkes überzeugt durch seine detailreiche und systematische Darstellung: Von der Entstehungshistorie der berittenen Landesschützen über deren Organisation bis hin zu ihrem Einsatz im Ersten Weltkrieg gelingt es Ender, ein differenziertes, wohldurchdachtes und ausgewogenen Bild dieser besonderen Truppeneinheit zu zeichnen. Hervorzugeben ist darüber hinaus der umfangreiche und ansehnliche Gefechtskalender, der die Einsätze an der Ost- und an der Südwestfront – besonders im alpinen Hochgebirgsraum – auf genaue Art und Weise rekonstruiert.
Da es von dieser Waffeneinheit bislang kaum zusammenhängende oder systematisch ausgewertete Aufzeichnungen vorliegen, ist es das Verdienst von Ender, der mit sehr großer Akribie und bemerkenswerter wissenschaftlicher Liebe zum Detail die verstreuten Quellen erschlossen und erstmals zu einer geschlossenen Darstellung zusammengeführt hat. Seine Arbeit bietet daher keinesfalls nur neue Erkenntnisse, sondern schafft überhaupt erst eine fundamentale Basis für die weitere Forschung. Vor diesem Hintergrund kann das Buch ohne Einschränkung als dem aktuellen Stand der Forschung entsprechend und in weiten Teilen sogar als maßgeblich und tonangebend für dieses Themenfeld angesehen werden.
Ender gelingt es vorbildhaft, eine bisher weitgehend unbeachtete Truppengattung differenziert zu untersuchen und in den größeren Kontext der Militärgeschichte einzuordnen. Alles in allem hat der Autor einen bedeutenden und nachhaltigen Beitrag zur Heeresgeschichte des Landes Tirol geleistet. Der Vergleich mit den reitenden Dalmatiner Landesschützen erweitert die Sichtweise und ermöglicht eine entscheidende Einordnung innerhalb der k.u.k. Streitkräfte. Die abschließende Analyse des Kampfwertes rundet die vorliegende Publikation überzeugend ab.
Insgesamt stellt Enders Werk eine wegweisende Studie dar, die sowohl für die Fachwissenschaft als auch für militärgeschichtlich interessierte Leser von sehr großem Wert ist und auf absehbare Zeit als Referenzwerk gelten dürfte.
Mag. phil. Andreas Raffeiner, Bozen

