GRIES AM BRENNER Der Grieser Bürgermeister Karl Mühlsteiger ist nach der Brennerblockade kämpferisch und fordert von der Politik ein stärkeres Eingehen auf die Sorgen der lokalen Bevölkerung bezüglich der Transitbelastung. Er betont im Interview die absolute Aufbruchstimmung im Wipptal und kündigt bei ausbleibenden Verbesserungen weitere Blockaden an, um die Lebensqualität der betroffenen Einwohner zu schützen.
Herr Bürgermeister Mühlsteiger, die Demonstration in Form der Brennerblockade hat viele Menschen emotional bewegt. Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie die Sorgen und Anliegen der rund 5.780 Teilnehmer wahrgenommen haben?
Es war ein unbeschreibliches, von tiefen Emotionen begleitetes Gefühl und ein zutiefst ergreifender Moment. Solche Augenblicke erfüllen einen mit Demut, weil man sich der großen Erwartungshaltung, die an einen herangetragen wird, erst so richtig bewusst wird.
Wie erlebten und erleben Sie die Stimmung im transitbelasteten Wipptal, und was nehmen Sie aus den Gesprächen mit den Menschen mit?
Innerhalb der Bevölkerung im Wipptal ist aktuell eine absolute Aufbruchstimmung spürbar. Das spiegelt sich auch in jedem einzelnen Gespräch wider, das ich führe.
Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol hat Ihnen bei der Demonstration im Rahmen einer Presseaussendung öffentlich Rückendeckung gegeben. Welche Bedeutung hat diese Unterstützung aus Ihrer Sicht – sowohl symbolisch als auch gesellschaftlich?
Jede Form der Unterstützung ist bei solchen Initiativen wertvoll und gibt uns Rückhalt. Dass uns erfreulicherweise so viele Menschen und Organisationen beigestanden haben, war schlicht überwältigend. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken!
Zwischen wirtschaftlichen Interessen, europäischer Zusammenarbeit und dem Schutz der Lebensqualität der Tiroler Bevölkerung entstehen oft Spannungsfelder. Wie gelingt es Ihnen, diesen unterschiedlichen Erwartungen mit Verständnis und Entgegenkommen zu begegnen?
Für mich stehen die Gesundheit und die Lebensqualität der heimischen Bevölkerung an oberster Stelle. Alles andere ist dem untergeordnet und zweitrangig.
Was möchten Sie den Menschen sagen, die sich durch den zunehmenden Transitverkehr in ihrer Gesundheit, ihrem Alltag oder ihrer Zukunft belastet fühlen? Wird es in naher Zukunft wieder eine Brennerblockade geben?
In so bewegten Zeiten müssen wir noch enger und entschlossener zusammenstehen. Nur gemeinsam können wir eine Verbesserung erzielen. Sollte die Politik nicht endlich einlenken und konkrete Lösungen liefern, werden weitere Blockaden die logische Konsequenz sein.
Wenn Sie einen Wunsch an die Entscheidungsträger auf Landes-, Staats- und europäischer Ebene richten könnten: Welche Form des Dialogs oder der Kooperation wäre jetzt besonders wichtig?
Die Verantwortlichen in der Politik müssen die Sorgen und Ängste der Menschen wieder ernst nehmen, ihnen auf Augenhöhe begegnen und den echten Willen zeigen, die Situation zu verändern.
Gibt es abschließend eine persönliche Erfahrung oder Begegnung im Zusammenhang mit dem Brenner-Theme, die Sie besonders berührt und Ihren Blick auf diese Herausforderung maßgeblich geprägt hat?
Ich habe einen jungen Menschen kennengelernt, der seit seiner Geburt direkt neben der Autobahn lebt und vor wenigen Monaten an Krebs erkrankt ist – eine Diagnose, die bereits tiefe Spuren hinterlassen hat. Solche tragischen Schicksale bestärken mich massiv darin, den eingeschlagenen Weg im Kampf gegen die Transitbelastung ohne Kompromisse weiterzugehen.
Vielen Dank für das Interview!
Interview für den Andreas-Hofer-Bund für Tirol: Andreas Raffeiner
Fotoquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:T-A13-Gries-Br%C3%BCcke-3.jpg

