Andreas Oberhofers Werk «Weltbild eines „Helden“. Andreas Hofers schriftliche Hinterlassenschaft» überzeugt durch seinen außergewöhnlich gründlichen und wissenschaftlich reflektierten Zugang zu Andreas Hofer. Schon das gut strukturierte Inhaltsverzeichnis zeigt offenkundig, dass hier keineswegs nur eine klassische Biografie vorliegt, sondern eine umfassende quellenkritische Studie, die sich dem Menschen, der geschichtlichen Persönlichkeit und zugleich dem Mythos Andreas Hofer nähert.
Besonders ausschlaggebend ist die methodische Tiefe der Analyse. Der Verfasser widmet sich nicht allein Hofers Lebensbeschreibung, sondern auch der Frage, wie historische Überlieferung entsteht, wie zeitgenössische Urteile zu bewerten sind und welche Rolle die Schriftlichkeit, die Kanzlei und vorhandene Dokumente im Umfeld des Tiroler Landesverteidigers spielten. Auf diese Weise gewinnt das Buch eine wissenschaftliche Genauigkeit, die weit über populärwissenschaftliche Darstellungen hinausreicht.
Der Aufbau der hier zu rezensierenden Publikation offenbart ein gewissenhaftes und sorgfältiges Gleichgewicht zwischen historischer Erzählung und Quellenuntersuchung. Die Abschnitte über Religiosität, Patriotismus und Moralverständnis zeichnen ein differenziertes Bild jener geistigen Welt, in der Andreas Hofer lebte und handelte. Besonders wertvoll ist dabei, dass der Tiroler Freiheitskämpfer weder verklärt noch vorschnell modern interpretiert wird. Vielmehr wird er als Kind seiner Zeit beschrieben — tief religiös, heimat- und traditionsverbunden sowie zugleich von außergewöhnlicher persönlicher Autorität geprägt.
Zu betonen ist außerdem der ansehnliche und umfangreiche Editions- und Quellenapparat. Die Transkription vieler Texte, die Beschäftigung mit Handschriften, Druckschriften und archivalischen Dokumenten machen Oberhofers Buch zu einer wichtigen Arbeitsgrundlage für die geschichtliche Forschung. Gerade diese editorische Akribie verleiht der Studie einen mehr als bleibenden Wert.
Das Werk verbindet wissenschaftliche Gründlichkeit mit spürbarer Achtung vor der historischen Figur. Es gelingt, Andreas Hofer aus der Lähmung nationalistischer Symbolik zu lösen, ohne seine geschichtliche Wichtigkeit zu schmälern. Auf diese Weise gelingt es Oberhofer, ein würdevolles, mehrschichtiges und menschlich authentisches und würdevolles Bild des Tiroler Freiheitskämpfers zu zeichnen.
Alles in allem handelt es sich bei der vorliegenden Publikation um eine herausragende historische Arbeit, die sowohl Fachhistoriker als auch kulturgeschichtlich interessierte Leser bereichert. Die Studie leistet einen zentralen und wertvollen Beitrag zum Verständnis Andreas Hofers und zur kritischen Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur und Mythos in Tirol.FormularbeginnFormularende
Mag. phil. Andreas Raffeiner, Bozen

