AHBT fordert Überprüfung der Karlspreis-Verleihungen an Winston Churchill und Alcide De Gasperi

Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol fordert eine offizielle Überprüfung der Verleihung des Internationalen Karlspreises an den britischen Premierminister Sir Winston Churchill im fernen Jahr 1955 sowie eine kritische historische, politische und juristische Neubewertung der Auszeichnung des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten und Außenministers Alcide De Gasperi.

„Mit Beschluss des Jahres 1955 verlieh die Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen Sir Winston Leonard Spencer Churchill den Internationalen Karlspreis und würdigte ihn als ‚Hüter menschlicher Freiheit‘ sowie als ‚Mahner der europäischen Jugend‘“,unterstreicht Obmann Luis Wechselberger.

Diese Entscheidung war vor dem Hintergrund der politischen und sicherheitspolitischen Lage der Nachkriegszeit nachvollziehbar. Aus heutiger Sicht und auf Grundlage jahrzehntelanger geschichtlicher Forschung bedarf sie jedoch einer neuerlichen kritischen Bewertung.

Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol verweist dabei auf zahlreiche historische Aspekte, die bei der damaligen Würdigung keine oder nur unzureichende Berücksichtigung fanden. Dazu zählen die Verantwortung der britischen Kolonialpolitik, die Hungerkatastrophe in Bengalen im Jahr 1943, die strategischen Flächenbombardierungen deutscher Städte mit hohen zivilen Opferzahlen sowie politische Entscheidungen der unmittelbaren Nachkriegszeit, die mit der Teilung Deutschlands, den Vertreibungen deutscher Bevölkerungsgruppen und den schwerwiegenden Folgen für Regionen wie Südtirol verbunden waren.

„Es geht uns nicht darum, Winston Churchill nachträglich zu verurteilen oder seine Rolle im Kampf gegen den Nationalsozialismus in Abrede zu stellen“, betont Obmann Wechselberger. „Aber historische Persönlichkeiten müssen als Ganzes betrachtet werden. Wer einen derart hohen Preis trägt, der für Frieden, Menschenwürde und Völkerverständigung steht, muss sich auch an diesen Maßstäben messen lassen. Neue historische Erkenntnisse dürfen nicht folgenlos bleiben.“

Der Bund  beantragt auf diese Weise die Einleitung eines offiziellen Überprüfungsverfahrens mit dem Ziel, die Aberkennung des Internationalen Karlspreises an Sir Winston Churchill ernsthaft zu prüfen. Parallel richtet der AHBT den Blick auf die Verleihung des Karlspreises an den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Alcide De Gasperi. Auch diese Ehrung wird aus Tiroler Sicht kritisch beurteilt.

„Die Preisvergabe an Alcide De Gasperi sehen wir ebenfalls mit großer Skepsis“, erklärt Wechselberger, „seine historische Verantwortung im Zusammenhang mit der Nachkriegspolitik gegenüber Südtirol, der fortgesetzten Italianisierung sowie der Missachtung berechtigter Selbstbestimmungs- und Autonomieforderungen verdient eine historische, politische und juristische Neubewertung. Seine Verfehlungen mögen anderer Natur sein als jene Churchills, sie sind für die Geschichte Südtirols jedoch von enormer Tragweite.“

Der AHBT betont ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um den Versuch handle, Geschichte umzuschreiben. Vielmehr gehe es dem Bund darum, Ehrungen, die einen hohen moralischen und politischen Anspruch verkörpern, im Lichte des heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes kritisch zu hinterfragen.

„Gerade Europa lebt von einer ehrlichen Erinnerungskultur“, so Obmann Wechselberger abschließend. „Versöhnung setzt Wahrheit voraus. Wer glaubwürdig für Menschenrechte, Frieden und Völkerverständigung eintreten will, darf auch die Schattenseiten jener Persönlichkeiten nicht ausblenden, die einst zu Symbolfiguren erhoben wurden. Historische Ehrungen dürfen kein Tabu sein – sie müssen überprüfbar bleiben.“

Neueste Beiträge

Zweisprachigkeit: Grüne als Handlanger Roms?

Standhaftigkeit aller Tiroler Patrioten ist jetzt gefragt Das zunehmende Rütteln...

AHBT: Brenner-Zulauf darf nicht zum milliardenschweren Fass ohne Boden werden

Mit großer Sorge verfolgt der Andreas-Hofer-Bund für Tirol die...

AHBT: Zweisprachigkeit sollte im 21. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit sein

Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol zeigt sich über den bekannt...

Die Meraner Hilfspost

Blicken wir kurz auf die Nachkriegswirren im Jahre 1918....

Ing. Josef „Sepp“ Felder: Ein Leben für Tirol

Ing. Josef „Sepp“ Felder war eine Persönlichkeit, deren Leben...

Verwandte Artikel

Populäre Kategorien