Anlässlich des 81. Jahrestages des Potsdamer Abkommens erinnert der Andreas-Hofer-Bund für Tirol (AHBT) an eines der folgenreichsten Ereignisse der europäischen Nachkriegsgeschichte. Während das Abkommen den politischen Rahmen für die Neuordnung Europas nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schuf, bedeutete es für Millionen Menschen den Verlust ihrer Heimat, ihrer Existenz und oftmals auch ihres Lebens.
Die Potsdamer Konferenz fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof in Potsdam statt. Die Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und Großbritanniens legten dort wesentliche Grundlinien für die Verwaltung Deutschlands und die politische Neuordnung Europas fest. „Deutschland wurde in Besatzungszonen aufgeteilt, zahlreiche Gebiete östlich von Oder und Neiße wurden unter polnische bzw. sowjetische Verwaltung gestellt“, schildert AHBT-Obmann Luis Wechselberger.
Mit diesen Entscheidungen begann für Millionen Deutsche und Altösterreicher ein schweres Kapitel ihrer Geschichte. Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlungen prägten das Schicksal unzähliger Familien. „Historiker gehen davon aus, dass rund 12 bis 14 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen mussten; Hunderttausende, nach manchen Schätzungen deutlich mehr, verloren dabei ihr Leben. Für viele Familien sind die Ereignisse bis heute Teil ihrer persönlichen Erinnerung und ihrer Familiengeschichte“, betont Wechselberger.
Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol sieht es als Aufgabe an, auch an dieses Leid zu erinnern. Das Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung darf niemals als Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen verstanden werden. Vielmehr gilt: Das Leid unschuldiger Zivilisten verdient unabhängig von ihrer Nationalität Anerkennung und Mitgefühl. Versöhnung setzt voraus, dass auch schmerzhafte Kapitel der Geschichte offen angesprochen werden können.
Nach Auffassung des AHBT sind zahlreiche historische Fragen rund um Enteignungen, Vertreibungen, Vermögensverluste und die menschlichen Folgen der Nachkriegsordnung bis heute Gegenstand wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskussionen. Gerade deshalb ist eine sachliche, differenzierte und ideologiefreie Auseinandersetzung mit der Geschichte notwendig.
Der AHBT erinnert zugleich daran, dass Frieden in Europa niemals selbstverständlich ist. Die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts zeigen, welch unermessliches Leid Krieg, Hass und nationale Gegensätze über die Menschen bringen können. Daraus erwächst die Verpflichtung, Konflikte ausschließlich mit diplomatischen und friedlichen Mitteln zu lösen und die Würde jedes Menschen zu achten.
„Geschichte darf nicht selektiv erinnert werden. Wer der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt, sollte ebenso das Schicksal jener Menschen nicht vergessen, die nach Kriegsende ihre Heimat verloren oder Opfer von Flucht, Vertreibung und Gewalt wurden. Erinnerung darf niemals trennen – sie soll uns mahnen, Brücken zu bauen und den Frieden zu bewahren“, erklärt Wechselberger.
Der Andreas-Hofer-Bund für Tirol spricht sich für eine offene Erinnerungskultur aus, die allen Opfern von Krieg, Gewalt und Vertreibung gerecht wird. „Nur auf der Grundlage historischer Wahrheit, gegenseitigen Respekts und menschlicher Versöhnung kann Europa seiner Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen gerecht werden“, schließt Wechselberger.
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