Am 12. Juli 1926 wurde der Grundstein für das faschistische Siegesdenkmal in Bozen gelegt, zwei Jahre später, am 12. Juli 1928, erfolgte die Einweihung. Anlässlich des 100. Jahrestages der Grundsteinlegung spricht der Andreas-Hofer-Bund von einem „Jubiläum der Schande“.
„Das Siegesdenkmal ist bis heute das sichtbarste Symbol der faschistischen Unterdrückungspolitik in Südtirol. Dass ein demokratischer Staat dieses Monument nach wie vor unverändert im öffentlichen Raum bestehen lässt, ist beschämend“, erklärt Andreas-Hofer-Bund-Obmann Alois Wechselberger.
Jahrzehntelang habe das Denkmal ausschließlich der Verherrlichung des Faschismus und der Demütigung der Südtiroler Bevölkerung gedient. Mit der Eröffnung des Dokumentationszentrums im Jahr 2014 sei zwar versucht worden, das Monument historisch einzuordnen, doch sei dieser Versuch aus Sicht des Andreas-Hofer-Bundes unzureichend geblieben.
„Oben triumphiert weiterhin unübersehbar der Faschismus, während im Untergeschoss ein Dokumentationszentrum eingerichtet wurde, das wesentliche historische Zusammenhänge ausspart. So kann keine glaubwürdige Aufarbeitung gelingen“, so Wechselberger.
Kritisch sieht der Andreas-Hofer-Bund insbesondere, dass wichtige historische Fakten im Dokumentationszentrum nicht dargestellt würden. So fehle etwa der Hinweis darauf, dass der Südtiroler Klerus Papst Pius XI. vor der Grundsteinlegung ersucht hatte, den Bau des Denkmals nicht kirchlich segnen zu lassen. Dennoch spendete der Trentiner Bischof Celestino Endrici sowohl bei der Grundsteinlegung als auch bei der Einweihung persönlich den kirchlichen Segen.
Ebenso unerwähnt bleibe der Protest zahlreicher Bozner Bürger gegen die Errichtung des Denkmals. Fast 350 Männer und Frauen hatten sich 1926 mit ihrer Unterschrift gegen das faschistische Monument ausgesprochen. Ihre Namen wurden vom Bozner Polizeibeamten Karl Brandstätter an die Behörden gemeldet; viele Unterzeichner wurden in der Folge überwacht und schikaniert. Die sogenannte „Brandstätter-Akte“ dokumentiert bis heute diesen Akt politischer Verfolgung.
Auch die Rolle der Südtiroler Musikkapellen werde im Dokumentationszentrum nicht vollständig dargestellt. Zwar werde ihre Teilnahme an der Einweihungsfeier gezeigt, verschwiegen werde jedoch, dass sie unter Androhung ihrer Auflösung zum Mitwirken gezwungen worden seien.
„Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Faschismus muss die historischen Tatsachen vollständig und ohne Auslassungen darstellen. Solange das Denkmal selbst unverändert als faschistisches Machtsymbol bestehen bleibt und seine Geschichte nur unvollständig erklärt wird, bleibt dieses Jubiläum ein Anlass der Schande und nicht der Versöhnung“, betont Wechselberger abschließend.

